Vom Wolkentraum zu Traumwolken - Abschluß der Rekonstruktion des WolkenapparatesMit der ersten Rekonstruktionsphase des Wolkenapparates war klar, die Lichtwurflampe Typ B 3000W Sockel E40 wird nie wieder eingesetzt werden. Funktionsbedingt liegt die Glühwendeltemperatur einer Glühlampe deutlich über 1500° C. Die dabei aufgenommene elektrische Leistung wird zu 5% in sichtbar
25.03.2012
Vom Wolkentraum zu Traumwolken - Abschluß der Rekonstruktion des Wolkenapparates
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Montage im Löwel-Foyer
Mit der ersten Rekonstruktionsphase des Wolkenapparates war klar, die Lichtwurflampe Typ B 3000W Sockel E40 wird nie wieder eingesetzt werden. Funktionsbedingt liegt die Glühwendeltemperatur einer Glühlampe deutlich über 1500° C. Die dabei aufgenommene elektrische Leistung wird zu 5% in sichtbares Licht und der Rest in Infrarotstrahlung umgewandelt. Diese Strahlung ist für die rekonstruierten Oberflächen des Wolkenapparates eine große Gefahr – die geschützten Oberflächen wären bald wieder zerstört.
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Der Wunsch nach der Faszination der ziehenden Wolken – umgesetzt von einem gut 90jährigen Gerät – war aber so groß, dass wir nichts unversucht lassen wollten. Probeweise haben wir für kurze Zeit eine Halogenlampe HPL 375W eingesetzt. Das Ergebnis war optisch verblüffend. In einem gut abgedunkelten Raum waren die Projektionen zu sehen. Allerdings stieg die Innentemperatur des Gerätes nach wenigen Minuten bedrohlich an.
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Hochleistungskühler mit 200 Watt COB LED
Der abgebrochene Versuch hatte aber auch den Beweis erbracht – es geht auch mit geringer Leistung. Für uns stand die Aufgabe, ein anderes, mindestens ebenso helles Leuchtmittel wie die 375W HPL (also rund 7800 Lumen) zu finden. Eine Metalldampflampe schied wegen zu hoher UVA-Anteile aus. Bei dieser Aufgabenstellung blieb eigentlich nur die LED - Technik.
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Wir haben eine COB-LED mit den optimalen technischen Parametern gefunden: maximal 16.800 Lumen bei 200W. Die Abmessungen des Leuchtfeldes passen und der große Abstrahlwinkel von 120°sichert die Ausleuchtung der Doppelkondensoroptiken und Objektive - die richtige Ausleuchtung der „Wolkendias“ ist entscheidend. Man muss wissen, dass die Kugel mit den Optiken und Umlenkspiegeln um das Leuchtmittel rotiert und nur die in Richtung des Rundhorizontes zeigenden Optiken eine Vielzahl Wolkenbilder an den Horizont werfen.
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Wenn da nicht die Bedenken gewesen wären, ein technisches Kulturgut dieser Güte mit einer 200W LED statt einer 3000W Projektionslampe zu betreiben. Die Einsicht siegte – unsere manuelle Rekonstruktion rechtfertigt den Einsatz neuer Verfahren und Techniken, da der Urzustand technisch nicht möglich ist. Wir trösteten uns, es gibt auch Dampfmaschinen die anstatt mit Heißdampf mit Pressluft betrieben werden.
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Weiter legten wir fest: der Einbau des neuen LED-Leuchtmittels muss in jedem Fall wieder rückbaufähig sein. Die Technik wurde so aufgebaut, dass die Ebene des Lichtaustrittes der LED identisch ist mit der Ebene des Filaments der Lichtwurflampe. Die Hochleistungs-LED erzeugt mit Ihren 200W Leistung ca. 30% Licht. Der Rest sind ca. 140W Wärme, die auf der Rückseite der LED schnell abgeführt werden müssen. Ein aktiver Heat - Pipe Kühler mit reichlich Kühlleistung musste gefunden werden. Erschwerend kam hinzu, dass der Kühler in jedem Fall hinter der LED platziert werden musste. Leider sind die Platzverhältnisse in der Projektionskugel äußerst bescheiden.
LED und Kühler wurden adaptiert und diese Konstruktion ließ sich an der alten Vertikalbefestigung und Verstellung der Lichtwurflampe montieren. Bevor der Einbau erfolgte, wurden die LED und die Kühleinheit einem ausführlichen Dauertest unterzogen. Der Test verlief zur vollsten Zufriedenheit. Der Einbau erfolgte und die Auswahl der technischen Komponenten bestätigte sich.
Der 1. Test zeigte, dass die Helligkeit für Demonstrationszwecke völlig ausreichend ist. Ein Wärmeproblem gibt es auch nicht – der Kühler hält die LED im vorgeschriebenen Temperaturbereich von 30° und der Lüfter auf dem Heat Pipe Kühler unterstützt die im Gerät vorgesehene Kaminwirkung. Die Frischluft wird unten angesaugt und kann, um wenige Grad erwärmt, die Projektionskugel oben verlassen.
Das faszinierende Ergebnis ist nun wieder zu bewundern und man kann sich in Plauen im Löwel-Foyer des Theaters von der Projektionsqualität persönlich überzeugen. Für die Theatertechnik der Fertigungszeit dieses Wolkenapparates war die eingesetzte Lichtwurflampe mit 3000W und 66000 Lumen bestimmt der technische Spitzenwert. Betrachtet man ein heutiges modernes Movinglight mit einer 1200W Lampe und 110.000 Lumen ist die technische Entwicklung in den letzten 90 Jahren zu sehen. So ist es natürlich verständlich, dass viele dieser Geräte mit den aufkommenden modernen Projektionstechniken in den Kellern verschwunden bzw. im Schrott gelandet sind.
Dass der Wolkenapparat als technisches Kulturgut, als authentischer Zeitzeuge konserviert, seinen neuen Platz gefunden hat, verdanken wir Menschen, die das kulturelle Gedächtnis in Ihrem Haus bewahren wollen. Das Bürgertum des Jahres 1920 hatte bereits die Anschaffung des Gerätes unterstützt und der Förderverein des Theaters hat im Jahr 2012 wieder einen erheblichen Beitrag zur Restaurierung des Wolkenapparates geleistet.
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